Eröffnung am Freitag, den 17. April 2026, 19-21 Uhr
Kuratiert von Stefanie Odenthal, Christiane Stahl & Thomas Tode
Über 50 Filme hat Alfred Ehrhardt realisiert, 14 davon wurden jüngst von der Alfred Ehrhardt Stiftung restauriert. Eine Auswahl wird im Frühjahr 2026 erstmals in einer allein dem Medium Film gewidmeten Ausstellung zu sehen sein. Eine Palette von Bildschirmen ermöglicht eine Zusammenschau von Alfred Ehrhardts Motiven, Obsessionen und Arbeitsmethoden. Es laufen Klassiker wie seine „Gehäusefilme“ (Schnecken, Muscheln, Korallen), ergänzt mit Filmen über Kunst (Ernst Barlach, Documenta II, Afrikanische Masken) und über die Natur als Kunst- und Formmeister (Strukturen im Watt, Vulkane in Island, Eisskulpturen vor Grönland), aber auch problematische Filme aus der NS-Zeit. Ihn interessieren medial sichtbar gemachte Lebensprozesse, dokumentiert mit genuin filmischen Mitteln wie Zeitlupe, Zeitraffer oder Makroaufnahmen – in der Tradition des Bauhauses. Außerdem werden noch nie gezeigte Dokumente aus seinem umfangreichen Arbeitsarchiv ausgestellt, u.a. Filmpartituren aus dem Schnittprozess, Arbeitsfotos und Filmpreise, die von Ehrhardts Recherchearbeit und Erfindergeist künden. Filme wie noch nie!
Kategorie: Vorschau
Matthias Burba & Max Seeger: Die Welt in einem Sandkorn sehen
Eröffnung am Freitag, den 10. Juli 2026, 19-21 Uhr
In Anwesenheit der Künstler
Ein Sandkorn – unscheinbar und doch ein Mikrokosmos der Welt. Die Ausstellung Die Welt in einem Sandkorn sehen führt tief hinein in die verborgene Struktur eines der ältesten und zugleich kostbarsten Rohstoffe der Erde. Unter dem Mikroskop des Forensikers und Mikrofotografen Matthias Burba (*1954) verwandeln sich die winzigen Kristalle in leuchtende Landschaften, die sowohl geologische Geschichte als auch menschliche Wahrnehmung sichtbar machen. Zwischen physikalischer Präzision und poetischer Interpretation entfaltet sich ein doppelter Blick: auf die Materie – und auf die Geschichten, die sie in sich trägt. Jede Drehung der Polarisationsfilter eröffnet neue, ebenso gültige Realitäten. So verschmelzen wissenschaftliche Präzision und poetische Imagination zu einem Blick, der nicht nur misst, sondern deutet.
Ramona Schacht: Vom Bauhaus auf die Krim. Eine Bildbefragung zu Alfred Ehrhardts Tabakserien
Eröffnung am Freitag, den 11. September 2026, 19-21 Uhr
In Anwesenheit der Künstlerin
Kuratiert von Stefanie Regina Dietzel
Erstmals zeigt die Alfred Ehrhardt Stiftung Alfred Ehrhardts (1901–1984) historische Industriefotografien in neuem Licht. Zwischen 1954 und 1963 entstanden im Auftrag des Tabakkonzerns Reemtsma & Co. zahlreiche filmische und fotografische Arbeiten, die bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind – und in starkem Kontrast zu Ehrhardts freikünstlerischen Natur- und Landschaftsaufnahmen stehen. Diese kaum bekannten Werke bilden nun die Grundlage für eine neueste Serie der Leipziger Künstlerin Ramona Schacht (*1989), die sich intensiv mit den dort dargestellten Arbeitswelten auseinandersetzt. Im Fokus stehen Szenen von Arbeit auf Tabakfeldern und in der Verarbeitung, die Ehrhardt in Ländern wie Rhodesien (heute Simbabwe), der Türkei, den USA und Griechenland dokumentierte. Die Fotografien spiegeln dabei ein kolonial geprägtes Verständnis des „Fremden“ und „Exotischen“ wider – Vorstellungen, deren Nachwirkungen Schacht in ihrer Arbeit kritisch befragt. Im Dialog zwischen historischem Archiv und zeitgenössischer Kunstpraxis entsteht ein vielschichtiges Nachdenken über Arbeit, Geschichte und kulturelle Wahrnehmung. Besonders die Darstellung weiblicher Arbeit rückt Schacht dabei in ein neues Licht und eröffnet ungewohnte Perspektiven auf bislang übersehene Realitäten.