Ausgehend von den Orten, an denen der Sand gesammelt wurde, nimmt der Mikrofotograf Matthias Burba Sie mit auf die Wege, auf denen aus Landschaften Proben, aus Proben Bilder und aus Bildern Erkenntnis wurde.
Unter dem Polarisationsmikroskop verliert Sand seine scheinbare Gleichförmigkeit und zeigt sich als Gefüge aus Farben, Brüchen, Transparenzen, Einschlüssen und feinen Ordnungen. Die Ausstellung versteht diese Beobachtungen zugleich als wissenschaftlich geprägte Untersuchung und als künstlerische Erfahrung: Analyse und Anschauung, Präzision und Imagination bedingen und vertiefen einander wechselseitig.
Matthias Burbas mikroskopische Bilder von Sandkörnern verdeutlichen, dass Farbe niemals für sich alleinsteht, sondern immer in Beziehung zu Licht, Kontrast, Umgebung, Maßstab und Anordnung wahrgenommen wird. Was wir sehen, ist das Resultat eines feinen Zusammenspiels von optischen Bedingungen, physiologischer Verarbeitung und bildnerischer Setzung.
Ein Polarisationsmikroskop vergrößert nicht nur, sondern verwandelt die Erscheinung der Dinge: Was im gewöhnlichen Licht unscheinbar bleibt, kann als fein gegliedertes Gefüge aus Helligkeit, Struktur und Farbe hervortreten; das Licht kann seine Polarisation ändern und als Interferenz-farbe oder Strukturphänomen in Erscheinung treten.
Gerade für die Untersuchung von Sand ist dies von Bedeutung, weil sich mineralische Eigenheiten, innere Ordnungen und Unterschiede der Materialien in einer eigenen Bildsprache zeigen. Die Addition der Eigenschaften einzelner Körner zu „Sand“, entstanden aus Herkunft, Bewegung und Form, hat Folgen für die Nutzungsmöglichkeit als Rohstoff, Infrastruktur, Technik und globale Verflechtungen. Sand gehört zu den meistgenutzten Ressourcen der Erde und ist Grundlage für Bauvorhaben und die Herstellung von Beton, Glas, Mikrochips, Smartphones und Solarzellen. Gerade durch die Vielfalt von Verwendungen wie auch die verbrauchten Mengen wird erkennbar, dass dieses unscheinbare Material nicht unbegrenzt verfügbar ist und dass sein Abbau schon heute vielerorts erhebliche ökologische Schäden verursacht.
Matthias Burba (*1954), Mikroskopiker seit über 60 Jahren, studierte Jura und Biologie, berufliche Tätigkeit zwischen Recht und Wissenschaft, Forensik.
Eintritt frei. Eine Voranmeldung ist erforderlich unter: info@aestiftung.de