Über etliche Jahre hinweg besuchte der Hamburger Fotograf Marc-Oliver Schulz regelmäßig die Elbmündung zwischen Büsum und Cuxhaven, im Winter wie im Sommer, um mit seiner Kamera dem Phänomen des Sehens auf die Spur zu kommen. Denn die Leere und Weite des Wattenmeers begünstigt die Schärfung der Wahrnehmung, weil das Narrativ entfällt. Das gegenstandsorientierte Sehen kann einem offenen, absichtslosen Schauen weichen. Dabei geht es ihm nicht nur um seine eigene Wahrnehmung dieser besonderen Landschaft zwischen Land und Wasser, sondern auch die Wahrnehmung seiner Fotografien durch uns Betrachter. Im Bild wird der Ort nachrangig, dafür der Zustand der Landschaft bestimmend. Das Sehen bestimmt das Bild.
In der Führung durch die Ausstellung wird Marc-Oliver Schulz im Gespräch mit Christiane Stahl seine Erfahrungen wiedergeben, sowohl die vor Ort als auch die mit seinen Fotografien. Er wird darüber berichten, wie es ist, auf den Steinbuhnen im offenen Watt auf den Moment zu warten, in dem sich Landschaft, Licht und Zeit entgrenzen; warum seine Aufnahmen oft in der Dämmerung oder bei Nacht entstehen, wenn sich der Horizont mit dem Sternenhimmel aufzulösen scheint; und warum er die offensichtlichen Spuren menschlicher Zivilisation wie die der Schifffahrt dienenden Seezeichen oder die Lichter der Küstenstädte nicht ausblendet. Ist der Steinwall, auf dem er steht – und wir als Betrachter mit ihm – Symbol einer Bruchkante zwischen Natur und Mensch?
Marc-Oliver Schulz (*1962) lebt und arbeitet als selbständiger Fotograf in Hamburg. Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er in der Dunkelkammer seines Großvaters. Im Fotografie-Studium an der FH Dortmund lernte er bei Pan Walther „das Chaos zu durchdringen“ und bei Ulrich Mack „in Bildern zu denken“. In seinen zumeist seriellen Arbeiten zu Themen wie Licht, Zeit, Identität und Flüchtigkeit setzt er sich mit den Aspekten des Sehens und mit Fragen zur Darstellbarkeit von Wirklichkeit auseinander. 2022 wurde er bei den Wiesbadener Fototagen mit dem Preis der Jury und 2023 in Niebüll mit dem marehalm Kunstpreis ausgezeichnet. Seit 2023 ist er Mitglied der DGPh (Deutsche Gesellschaft für Photographie).
Eintritt frei. Wir bitten um Voranmeldung unter: info@aestiftung.de