Der deutsch-australische Fotograf Joachim Froese beschäftigt sich mit Natur und Landschaft nicht im Sinne einer klassischen, romantischen Fotografie, sondern als konzeptuelles und materielles Arbeitsfeld. Er bezieht sich dabei unter anderem auf den baltischen Biologen und Philosophen Jakob von Uexküll, der Anfang des 20. Jahrhunderts Natur als Geflecht unterschiedlicher Wahrnehmungswelten verschiedener Lebewesen definiert. Ausgehend davon begreift Froese Natur nicht als Gegenüber des Menschen, sondern als komplexes Beziehungsnetz, in das der Mensch eingebunden ist. Diesen theoretischen Ausgangspunkt verbindet er in seinen prak-tischen Arbeiten mit einem überraschend technisch fundierten Ansatz. Das fotografische Handwerk selbst wird zum Konzept, indem Froese digitale Auf-nahmeverfahren mit historischen Drucktechniken kombiniert. Eine besondere Rolle spielt dabei der Salzdruck, eines der frühesten Positivverfahren, das in den 1830er-Jahren von William Henry Fox Talbot entwickelt wurde. Froese experimentiert mit dieser ‘Ur-Technik’ und setzt Gegenwart und Vergangenheit der Fotografie in ein Spannungsverhältnis von Fortsetzung und Flüchtigkeit. Natur erscheint so weniger als festes Motiv, sondern vielmehr als Prozess, der seine eigene Vergänglichkeit in sich trägt. Im Rahmen seines Vortrags wird der Künstler einige seiner fixierten als auch nicht fixierten originalen Salzpapierabzüge, aber auch Papiernegative, Cyanotypien und Silbergelatineabzüge vorstellen, auf deren technische Grundlagen eingehen und Einblicke in seine spezifischen Verfahren geben.
Joachim Froese (*1963, Montreal, Kanada) wuchs in Deutschland auf und wanderte 1991 nach Australien aus. Heute arbeitet er überwiegend in Brisbane, und in regelmäßigen Abständen in Berlin. Seine Karriere verbindet Praxis, Theorie und Lehre. Als freier Dozent unterrichtet er seit 25 Jahren Fotografie an Kunsthochschulen in Australien sowie als Gastdozent mehrfach an Universitäten in Deutschland. 2017 promovierte er an der RMIT-University in Melbourne, seit 2020 ist er Honorary Lecturer an der School of Communication and Arts, University of Queensland in Brisbane.
Eintritt frei. Eine Voranmeldung ist erforderlich unter: info@aestiftung.de