Als ausgebildetem Musiker war es Alfred Ehrhardt bewusst, dass zur Wirkung eines Films die Filmmusik wesentlich beitragen kann. Als besonders ergiebig, um die Rolle der Musik in Ehrhardts Filmen zu betrachten, erweisen sich die im Abstand von zwei Jahrzehnten entstandenen Dokumentationen über Island, deren musikalische Untermalungen gegen-sätzlicher kaum sein können: Wurde für den 1941 von der Tobis produzierten Film Nordische Urwelt mit Georg Vollerthun (1876–1945) ein namhafter Opernkomponist spätromantischer Stilrichtung herangezogen, der aus Teilen seiner 1925 uraufgeführten Oper Island-Saga eine opulente, symphonische Begleitung zusammenstellte, fiel Ehrhardts Wahl 1962 für Gletscher und ihre Ströme und Vulkanisches Antlitz auf Oskar Sala (1910–2002), einen Pionier der elektronischen Musik und ausgesprochenen Filmmusik-Spezialisten, der für seine Vertonungen auf das von ihm entwickelte Mixturtrautonium zurückgriff.
Die Gegenüberstellung so unterschiedlicher Begleitmusiken zu Werken, die der gleiche Dokumentarfilmer zum gleichen Thema schuf, erlaubt nicht nur einen interessanten Einblick in die Geschichte deutscher Filmmusik vor und nach 1945, sondern wirft auch ein Licht auf Alfred Ehrhardts Auffassung von der Rolle der Musik im Rahmen eines filmischen Gesamtkunstwerks.
Florian Schuck studierte Musikwissenschaft und Germanistik an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er lebt als freier Forscher und Autor in Weimar. Seit 2020 ist er Redakteur des Internet-Musikblogs The New Listener. 2022 wurde er zum 1. Vorsitzenden der Internationalen Draeseke-Gesellschaft gewählt. Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge in musikwissen-schaftlichen Publikationen und war an mehreren Editionsprojekten beteiligt.
Eintritt frei. Eine Voranmeldung ist erforderlich unter: info@aestiftung.de