Eröffnung am Freitag, den 7. Mai 2027, 19-21 Uhr
In Anwesenheit des Künstlers
Quarzkristalle, allen voran der wasserklare Bergkristall, gelten seit jeher als Sinnbild des Geistigen und der Transzendenz. Als Reliquie, Glaskugel oder Anhänger sind sie Projektionsfläche der Spekulation, Spiritualität und des Okkultismus. Die Ausstellung widmet sich der Auseinandersetzung des Künstlers Thomas Pöhler (*1966) mit dem italienischen Mineralogen Giorgio Spezia (1842–1911), dem es nach 15-jähriger Forschung 1906 erstmals gelang, künstlichen Quarz zu züchten.
Pöhler richtet sein Makroobjektiv auf jene historischen Kristalle von Giorgio Spezia, die heute im Geowissenschaftlichen Institut der Universität Turin unter der Obhut von Emanuele Costa bewahrt werden. Vor tiefschwarzem Grund treten mikroskopische Einschlüsse, nebelhafte Gebilde und streng geordnete Wachstumslinien hervor. Die Fotografien machen sichtbar, wo der natürliche Kristallkeim endet und das synthetische Wachstum beginnt. Im Zentrum steht damit die grundlegende Frage: Wo verläuft die materielle Grenze zwischen Natur und Künstlichkeit.
In Spezias Quarzen treffen die geologische Tiefenzeit und die technologische Zukunft unmittelbar aufeinander. Ohne diese winzigen Schwingquarze wäre unsere technologische Welt nicht denkbar. Auf die technischen Folgen der Erfindung verweisen eine kleine Sammlung historischer Quarzoszillatoren, originale Veröffentlichungen von Giorgio Spezia sowie ein großer, künstlich erzeugter Kristall. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Auswahl historischer Aufnahmen Alfred Ehrhardts von Bergkristallen.