Eröffnung am Freitag, den 8. Januar 2027, 19-21 Uhr
In Anwesenheit des Künstlers
Mit der Ausstellung Twisted Landscape richtet der Biologe und Fotograf Oliver Ullrich den Blick auf das norddeutsche Watt, einen Landschaftsraum ständiger Veränderung. Die Ausstellung knüpft an Alfred Ehrhardts fotografische Auseinandersetzung mit dem Wattenmeer an und entwickelt sie aus einer zeitgenössischen Perspektive weiter. Gezeiten, Wind, Sedimenttransport, Sturmfluten und der Klimawandel formen hier eine Landschaft, in der Entstehung, Entwicklung und Vergänglichkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Im Zentrum der Serie stehen das Werden und Vergehen dieser Landschaft und die Frage, wie sich ihr fortwährender Wandel fotografisch erfassen lässt.
Die Fotografien sind als zusammenhängende Serie angelegt und machen unterschiedliche Stadien eines Landschaftsprozesses sichtbar. Von nahezu monochromen Strukturen der Wattoberfläche über die Ausbildung biologischer Formen bis hin zu Vergänglichkeit und erneuter Reduktion entsteht eine visuelle Abfolge, die an die Entwicklungsgeschichte von Landschaften erinnert. Aus scheinbar unbelebten Ausgangsformen entwickeln sich komplexe Strukturen und Lebensräume, bevor der Kreislauf wieder in reduzierte Formen zurückführt. Die Serie führt von kleinsten Strukturen des Materials bis zum weitläufigen Landschaftsraum und zeigt Landschaft nicht als festen Zustand, sondern als fortwährenden Prozess.
Das Watt ist geprägt von zyklischen Veränderungen. Auf Phasen der Entwicklung folgt ein dynamisches Gleichgewicht mit hoher Biodiversität, bevor äußere Einflüsse dieses destabilisieren können. Neubildung und Vergehen verlaufen gleichzeitig. Mit jedem Wechsel der Gezeiten verändern sich Formen, Farben, räumliche Anordnungen und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen dieser Landschaft. Doch Resilienz und Regeneration haben Grenzen. Werden ökologische Kipppunkte überschritten, können Veränderungen unumkehrbar werden.
Oliver Ullrich verbindet in seinen Fotografien wissenschaftliche Beobachtung mit künstlerischer Interpretation. Sein wissenschaftlicher Hintergrund prägt den Blick auf die Prozesse, durch die Landschaft entsteht und sich verändert. Die Arbeiten richten sich auf Oberflächen, organische Formen sowie Mikro- und Makrolandschaften und bewegen sich zwischen gegenständlicher Wahrnehmung und Abstraktion. Twisted Landscape ist eine fotografische Untersuchung mit naturwissenschaftlicher Perspektive. Die Ausstellung zeigt das Wattenmeer als einen Landschaftsraum, der durch permanente Veränderung geprägt ist, und lädt dazu ein, Prozesse von Entstehung, Entwicklung und Vergänglichkeit neu wahrzunehmen.
Oliver Ullrich (*1960) studierte Biologie, promovierte 1991 an der Universität Frankfurt am Main und habilitierte sich 1999 an der Universität Mainz. Von 2002 bis 2020 war er Professor für Molekularbiologie und Zellkulturtechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Seit 2020 widmet er sich der künstlerischen Fotografie. Er nahm unter anderem an den Portfolio Reviews der Rencontres de la Photographie Arles und der Triennale der Photographie Hamburg teil und vertiefte seine fotografische Praxis in Masterclasses bei Andreas Herzau, Nadine Barth, Peter Bialobrzeski und Ingo Taubhorn.