Eröffnung am Freitag, den 17. April 2026, 19-21 Uhr
Kuratiert von Stefanie Odenthal, Christiane Stahl & Thomas Tode
Zum allerersten Mal rückt die Filmarbeit von Alfred Ehrhardt in den Fokus einer Ausstellung. Mehr als 60 Filme hat der Fotograf, Dokumentarfilmer und Bauhaus-Schüler realisiert, ein Œuvre, das bislang im Schatten seiner fotografischen Arbeiten stand. Nun stellt die Stiftung Alfred Ehrhardts Filme ins Zentrum und macht einen der produktivsten deutschen Kulturfilmer des 20. Jahrhunderts neu lesbar, ästhetisch wie historisch.
Auf zehn Bildschirmen entfaltet sich eine Auswahl von 20 zentralen Kurz- und Langfilmen, die in zwei Programmphasen präsentiert wird: zehn Filme in den ersten fünf Wochen, zehn weitere in der zweiten Hälfte der Ausstellung. Darunter finden sich Naturstudien, Filme über Kunst und kulturhistorische Arbeiten, aber auch bislang kaum gezeigte Produktionen aus der NS-Zeit. Zu sehen sind u.a. Ehrhardts sogenannte Gehäusefilme über Schnecken, Muscheln und Korallen, seine Studien zur Natur als Formmeisterin, etwa zu Watt-Strukturen bei Neuwerk, Vulkanlandschaften auf Island oder Eisskulpturen vor Grönland, ebenso wie Filme über Kunst und Künstler, darunter Arbeiten zu Ernst Barlach, zur documenta II oder zu afrikanischen Masken.
Nicht ausgespart bleiben die problematischen Kapitel. Mit „Urkräfte am Werk“ (D 1937/39), seinem 2024 wiederentdeckten Erstlingsfilm, und dem Propagandafilm „Flanderns germanisches Gesicht“ (D 1941), wird Ehrhardts filmisches Schaffen auch im historischen Kontext seiner Zeit verhandelt.
Die parallele Präsentation mehrerer Filme ermöglicht erstmals eine Zusammenschau zentraler Motive, Methoden und Obsessionen. Spiralen, Inseln, serielle Strukturen und das Interesse an medial sichtbar gemachten Lebensprozessen treten deutlich hervor. Spätestens seit den frühen 1950er Jahren knüpft Ehrhardt dabei bewusst an seine Ausbildung am Bauhaus an und nutzt genuin filmische Mittel wie Zeitraffer, Zeitlupe und extreme Makroaufnahmen. Erst auf dieser Basis wird die materielle und technische Grundlage seiner filmischen Arbeit sichtbar. 14 Filme wurden seit 2019 neu digitalisiert und restauriert, acht davon mithilfe des Förderprogramms Deutsches Filmerbe der Filmförderanstalt FFA. Parallel dazu wurden in den vergangenen Jahren umfassende Recherchen in externen Archiven unternommen sowie sämtliche filmbezogenen Materialien des Archivs der Alfred Ehrhardt Stiftung digitalisiert, ausgewertet und erstmals systematisch erschlossen.
Begleitend erscheint der umfangreiche Bildband „Alfred Ehrhardt – Film“, der das filmische Werk erstmals ausführlich dokumentiert. In der Ausstellung geben Archivmaterialien in Vitrinen und Schaufenstern, darunter Filmpartituren aus dem Schnittprozess, Arbeitsfotografien, Musiknotizen unter anderem von Oskar Sala, Einblick in Ehrhardts Arbeitsweise und seinen ausgeprägten Erfindergeist. Filmplakate und Auszeichnungen dokumentieren zugleich die zeitgenössische Anerkennung des vielfach geehrten „Bundesfilmpreisträgers vom Dienst“.
Die Alfred Ehrhardt Stiftung bewahrt heute einen der am besten dokumentierten Nachlässe eines deutschen Kulturfilmers der Nachkriegszeit. Die Ausstellung zeigt Alfred Ehrhardt als Filmemacher neu, in einer Breite und Tiefe, wie sie bislang nicht zu sehen war. Filme wie noch nie!
Katalog:
Anlässlich der Ausstellung erscheint die Publikation Alfred Ehrhardt – Film (Dt./Engl., hrsg. von Christiane Stahl und Stefanie Odenthal für die Alfred Ehrhardt Stiftung, Texte von Thomas Tode, 288 Seiten, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2026)