Eröffnung im Alfred Ehrhardt Haus Triptis: Samstag, 9. Mai 2026, 16.00 bis 18.00 Uhr
Öffnungszeiten: Sonntags 14–17 Uhr
Nachdem der Triptiser Alfred Ehrhardt (1901-1984) seine Ausbildung zum Organisten und Kantor am Seminar Weißenfels abgeschlossen hatte, zog es ihn in den frühen 1920er Jahren nach Hamburg, wo er Kunst studierte und als Gesangslehrer arbeitete. 1924 wurde er Lehrer für Musik und Kunst an einem reformpädagogischen Landschulheim in Bad Gandersheim am Harz. Im Wintersemester 1928/29 besuchte er den sogenannten „Vorkurs“ am Bauhaus Dessau, wo er auch bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer studierte. Danach übertrug er das Gelernte auf seinen Kunstunterricht, weshalb er 1930 als Dozent an die Landeskunstschule Hamburg berufen wurde. Seiner Wahlheimat Hamburg blieb er bis an sein Lebensende treu.
1933, wegen seiner modernen Kunstausrichtung von den Nazis entlassen, nahm er eine Stelle als Kirchenmusiker in Cuxhaven an, das damals zu Hamburg gehörte. Dort im vorgelagerten Watt entdeckte er, dass er die abstrakten Strukturen im Sand fotografieren konnte, ohne mit der NS-Ideologie zu kollidieren. So entstand 1937 sein erstes Buch Das Watt, das heute zu den Inkunabeln der Fotografie der Neuen Sachlichkeit wurde. Im gleichen Jahr begann er im Wattenmeer auch zu filmen.
Ehrhardt hat sich zeit seines Lebens vorwiegend der Norddeutschen Küste zugewandt und der Ostsee keine Beachtung geschenkt. Denn sein Lebensmittelpunkt war das Haus seines Schwiegervaters auf der Insel Neuwerk, die von Cuxhaven aus bei Flut mit dem Schiff oder bei Ebbe zu Fuß und mit der Pferdekutsche erreicht werden kann.
Ehrhardts Fotografien im Buch Das Watt zeigen zum großen Teil streng komponierte, abstrakte Sandriffelbildungen und menschenleere Priellandschaften von erhabener Schönheit. Kaum bekannt und wenig veröffentlicht hingegen sind seine Fotografien der Norddeutschen Küste, die nicht in sein Buch eingegangen sind. Er fotografierte auch Schiffe, Menschen, Tiere, bepflanzte Dünen, Steinbuhnen, Fischernetze, Reethäuser, den Leuchtturm und die Baken von Neuwerk, das Postboot auf die Hallig Langeness oder an der Elbmündung gelegene Dörfer wie Otterndorf und Wilstermarsch. In diesen Aufnahmen vermittelt sich ein lebendiger Eindruck vom Leben vor über 80 Jahren an und mit dem Wattenmeer, das heute zum UNESCO Weltnaturerbe zählt. Auch hier zeigt sich Ehrhardts großes kompositorisches Vermögen und seine stilistische Könnerschaft, weshalb er in der Nachkriegszeit nicht von ungefähr zahlreiche Preise vor allem für die „meisterhafte Fotografie“ seiner Filme erhielt.
Alfred Ehrhardts erster Film Urkräfte am Werk steht wie sein Buch Das Watt mit seiner abstrakten Bild- und Lichtregie stilistisch der Bauhaus-Avantgarde nahe. Seine Motive bestehen fast nur aus Sandstrukturen, Prielen, Wasser bei Ebbe und Flut und einem weiten Himmel, womit er auf die mediale Sichtbarmachung von Lebensprozessen abzielt. Anders zeigt sein Film Inselfahrt. Im Gebiet der Ebbe und Flut zwischen Elbe- und Wesermündung, wenige Jahre nach Beendigung des Krieges erschienen, viele Facetten des beschaulichen Lebens auf der Insel Neuwerk, einbegriffen dem der Touristen, die täglich mit dem Wattwagen übersetzen. Und letztlich zeigt der Farbfilm von Doro Carl, dass das Leben im Watt sehr viel reichhaltiger und vielfältiger ist, als wir das annähernd vermuten – nicht nur wegen der Millionen von Zugvögeln, die als Saisonale Gäste im Wattenmeer Pause einlegen auf dem langen Weg zu ihren Winterquartieren im Süden.
Sowohl die Fotografien der Ausstellung als auch die gezeigten Filme zeugen mit eindringlichen Bildern von jenem Leben, das an der Norddeutschen Küste nicht im Verborgenen bleibt, wenn man sich Zeit lässt und genau hinschaut.